Kurzer Disclaimer vorab: Wer wissen will, welche Bar am Ballermann die beste ist, wird hier nicht fündig. Dafür umso mehr jene, die Inspiration für Veloferien und eine neue Art des Über-Nacht-Reisens suchen.
Wie schon so manche meiner Reisen startete auch diese am HB Zürich. Nach dem obligaten Kaffeehalt bei Sapori (wo’s meiner Meinung nach den besten Cappuccino im HB gibt), brachte uns der IC5 nach Renens VD und von da der IR90 nach Genf, wo bereits der Zug nach Lyon wartete. Etwas nervös waren wir schon, ob die Reise mit so vielen Umstiegen klappen würde, aber ehe wir es uns versahen, sassen wir bereits im Hochgeschwindigkeitszug nach Barcelona.
In Barcelona blieben wir eine Nacht, um die Reise voll auszukosten. Wir schauten uns die Sagrada Familia an (beeindruckend riesig), klapperten verschiedene Cafés und Bäckereien ab (davon gibt’s besonders im Gracia-Quartier eine Menge, mein Favorit: Bar Central Raval) und übten uns im Mercat de la Boquerìa beim Bestellen von frischgepresstem Orangensaft (un zumo de naranja, por favor).
Nach einem Vormittag intensiven Sightseeings checkten wir beim Dock der Balearia-Fähre ein, und ein Bus brachte uns zu unserer Fähre. Die vierstündige Überfahrt nach Mallorca war leider etwas gar schauklig, und ich konnte die Ankunft kaum erwarten.
Unsere Unterkunft lag in Alcúdia im Norden der Insel, der perfekte Ausgangsort für zahlreiche Velotouren. Dafür waren wir ja auch hergereist: Das Internet hatte uns weisgemacht, dass es hier wunderschöne Rennrad-Routen gibt, und die wollten wir in den kommenden zehn Tagen erkunden.
Das Internet sollte Recht behalten: Eine Tour war schöner als die andere!
Cap Formentor: Die Zufahrtsstrasse ist von Mai bis Oktober von 10 bis 22 Uhr für Autos gesperrt und entsprechend perfekt für Velos. Auch Busse fahren regelmässig bis zum Leuchtturm, wo’s zudem ein Café mit einer grossen Kuchenauswahl gibt.
Der Aussichtspunkt Mirador d’es Colomer auf dem Weg zum Cap Formentor ist perfekt, um den Sonnenuntergang zu beobachten (auch prima erreichbar mit öV).
Orient: Bis vor Kurzem war diese Strasse noch gespickt mit Schlaglöchern, jetzt ist die Runde von Alaró über Orient bis Bunyola ein einziger Traum.
Die berühmte Tanke: Ein seltsames Ziel für eine Radtour, aber die Tankstelle auf dem Col de Sa Batilla ist tatsächlich ein richtiger Gümmeler-Hotspot geworden – zu Recht, denn sowohl der Aufstieg wie auch die Abfahrt sind fantastisch.
Um unserem Füdli mal eine Sattelpause zu gönnen, machten wir einmal einen Ausflug nach Palma, Valldemossa und Sóller. Mit dem Bus dorthin zu kommen, ist denkbar einfach: Man hält beim Einsteigen einfach die Kreditkarte ans Lesegerät und checkt beim Aussteigen wieder aus, das System berechnet die Kosten am Ende des Tages automatisch. Die Fahrpläne auf Google Maps sind aktuell.
Einen weiteren Restday verbrachten wir in Cala Rajada, wo auch Marius schon seine Erfahrungen sammeln durfte. Wir gingen den feierfreudigen Jugendlichen aus dem Weg und suchten uns eine schöne Bucht, um zu baden, zu lesen und die mit Tapas gefüllten Bäuche in die Sonne zu strecken.
Nach zahlreichen Kilometern, Cafés con Leche (Milchkaffee – fast immer günstiger als Cappuccino, aber eigentlich dasselbe) und Zumos de Naranja war es am Pfingstmontag Zeit für die Heimreise. Oder sollte ich sagen für das nächste Abenteuer?
Zuerst brachte uns die Fähre von Alcúdia in vier Stunden zurück nach Barcelona (dieses Mal auf einem angenehm ruhigen Meer), wo wir uns noch den Park Güell anschauten und der Rückreise entgegenfieberten.
Wir hatten nämlich eine Fahrt mit dem Twiliner gebucht, einem Nachtreisebus des gleichnamigen Zürcher Start-ups. Dieser sollte uns non-stop von Barcelona nach Zürich bringen, über Nacht und auf Sitzen, die sich zum Schlafen zu Liegen umfunktionieren lassen.
Im Bus hat es eine Umkleidekabine, ein WC (das leider gegen Ende der Fahrt nicht mehr funktionierte), eine Kaffeemaschine (mit Gratiskaffee und -tee), und man erhält ein Kissen und eine Decke für die Nacht. Dank einer Art Schlafsack für die Beine ist man auch während des Liegens gesichert. Die Busfahrer stellten sich kurz vor und erkundigten sich regelmässig, ob die Temperatur so passt.
Die Fahrt war gleichermassen aufregend wie entspannend – wie im Nachtzug ruckelte es angenehm, während wir zuerst am Meer entlang und dann durch die Nacht fuhren. Am Morgen holten wir das kleine Tischchen aus dem Seitenfach, gönnten uns einen Kafi aus dem unteren Stockwerk und waren überrascht, wie stressfrei diese Heimreise war. Einsteigen, schlafen und nach neun Stunden am selben Ort ankommen, wo die Reise gestartet hat: am HB Zürich.
Fahrzeit 11h
2x umsteigen