So werde ich Venedig wohl nie mehr erleben

Ein Besuch in einer der bekanntesten Städte und dennoch abseits des Massentourismus

Die vielen Schattenseiten

Kaum eine andere Stadt ist so einzigartig wie die Lagunenstadt Venedig. Die Idee, eine Stadt inmitten einer Lagune zu bauen und ein System von unzähligen Kanälen zu bauen, um das alltägliche Leben auf dem Wasser stattfinden zu lassen, gibt es wohl wirklich nur einmal auf der Welt. Doch wie wir alle Wissen hat die starke Zunahme von Massentourismus in den letzten Jahren die Altstadt von Venedig enorm verändert.

Die Ponte Rialto war auch am Tag nicht wirklich voll

Venedig verzeichnet seit Jahren einen gewaltigen Einwohnerrückgang. Die Wohnungspreise werden durch Appartements, welche über Airbnb teuer vermietet werden können, ständig erhöht und viele Venezianerinnen und Venezianer zieht es entweder aufs Festland oder ganz weg aus ihrer Stadt. Läden müssen aufgrund der veränderten Nachfrage schliessen und werden durch Souvenirläden ersetzt, das kulturelle Leben in der Lagunenstadt ist somit ebenfalls stark geschädigt.

Und dann ist da auch noch das Problem, dass die riesigen Kreuzfahrtschiffe durch den Wellengang das instabile Gerüst der Stadt zerstören, dass durch den Klimawandel Bilder vom überschwemmten Markusplatz zunehmen und man aus all diesen Gründen sehr besorgt um die Zukunft der Stadt mit dem bekannten Karneval und der Biennale sein muss.

Wann, wenn nicht jetzt?

Wegen den dicht gedrängten Touristenmassen habe ich bislang immer einen Bogen um Venedig gemacht. Doch als plötzlich Grenzen schlossen, auf einmal Haie in den Kanälen die klarsten Wasser seit über hundert Jahren genossen und im Juni 2020 doch schneller als erwartet die Welt hinter Chiasso wieder weiterging, dachte ich mir, dass ich diese Stadt doch einmal anschauen muss.

Das Wasser in den Kanälen war schon ewig nicht mehr so grün, wie im Frühling 2020

Viel Trubel war dann wirklich nicht, als wir aus unserem Frecciarossa am Bahnhof Santa Lucia ausstiegen. Man sagt ja immer, dass der Vorteil vom Zug sei, dass man mitten in der Stadt ankommt. Das trifft in Venedig zu, wie die Faust aufs Auge. Der Bahnhof liegt direkt am Canale Grande und kaum hat man den Zug verlassen, ist man schon mitten im Geschehen, welches wie eine Mischung aus Märchenwelt und Europapark ausschaut.

Wir machten uns zu Fuss auf den Weg in unsere Unterkunft, die trotz der Dachterrasse, dem Kanalblick und der Lage direkt neben der weltbekannten Ponte Rialto nur rund 40€ pro Nacht kostete.

Sogar die Tauben machen Lockdown

Es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt für die Reise nach Venedig geben können. Viele der Souvenirshops und den Touristenfallen von Restaurants waren noch geschlossen. In den Strassen war fast nur italienisch zu hören und auf der Ponte Rialto musste man sich keine Sorgen machen, dass man von den Menschenmassen in den Canale Grande gedrängt wird.

Weder taubenfütternde Menschen, noch Menschentrauben auf der Piazza San Marco

Da Restaurants und Läden wieder geöffnet waren und das Wetter anfangs Sommer schon wieder recht mild war, herrschte in den Strassen auch keine Einsamkeit. Ich konnte mir nicht ausmalen, wie diese Stadt zu nicht-Corona-Zeiten ausschauen muss.

Sinnbildlich für die ganz spezielle Zeit war das Bild des Markusplatzes. Dort wo sich duzende Touristengruppen tummeln und einige Leute den teuersten Espresso ihres Lebens trinken, war überhaupt nichts los. Es scheint, dass sogar die weltbekannten Tauben von San Marco noch im Lockdown sind.

Diese Städte bevorzuge ich, wenn es in Venedig wieder viele Touristen hat...