Man würde gar nicht denken, dass dies Polen ist

Ein Besuch an ellenlangen Sandstränden, die man eher an anderen Orten erwarten würde als an der Ostseeküste

Drei Städte und eine Halbinsel

Eines der Ziele unserer kurzen Interrailreise durch Polen war die sogenannte Trójmiasto. Auf Deutsch heisst das nichts anderes als Dreistadt und meint die zusammengewachsene Agglomeration rund um die drei Städte Gdansk (Danzig), Sopot und Gdynia.

Wenn man in der Schweiz davon erzählt, dass man nach Polen in die Ferien ginge, schiessen meist fragende Blicke auf einen zu. Der Staat an der Ostsee geniesst in der Schweiz eher einen Nischenplatz. Ich habe mich schon oft gefragt, was meine Landsleute von einer Reise nach Polen abhält.

Es kann weder an der Fülle der schönen Städte, der abwechslungsreichen Landschaft, den leckeren Piroggen, dem tiefen Preisniveau oder der höchsten Schlösserdichte Europas liegen. Vor Ort erwartet Einen dann auch nicht touristisches Niemandsland. Polen verfügt besonders dank einer Fülle an osteuropäischen und asiatischen Touristen belebte Städte, in welchen es teilweise auch etwas voll werden kann. Zumindest auf den ersten Blick scheint man im sommerlichen Danzig so schnell keinen ruhigen Platz zu finden.

Pedalos und grosse Passagierschiffe müssen sich die Wasserstrassen in Danzig teilen

Nur in der Schweiz ein Geheimtipp

Eine Besonderheit dieser Region ist die imposante Halbinsel Hel. Eine rund 34 Kilometer lange Landzunge, von Danzig exakt so weit entfernt, dass sie aus dem Hafen nicht mehr sichtbar ist. Die Distanz reicht aber aus, dass jeden Morgen Schiffe aus der Altstadt von Danzig nach etwa 90 Minuten das gleichnamige Fischerdorf Hel am Kap der Insel erreichen können.

Auch uns zog es auf den trotz seiner beachtlichen Grösse sehr gut gefüllten Kutter. Die Überfahrt durch die ruhige Danziger Bucht kann sich sehen lassen. Vor allem wenn man wie wir das Glück hat, einen Platz am Aussendeck zu erhaschen. So konnten wir schon kurz nach Abfahrt sehen, wie der lange Landstrich allmählich grösser am Horizont erschien. Dabei nicht ersichtlich ist die geringe Breite der Insel. Während am Ende der Halbinsel immerhin ein ganzes Dorf gut Platz hat, gibt es auch Abschnitte, auf welchen gerade mal 200 Meter Land zwischen den beiden Ufern liegt.

Auf einmal ist man ganz alleine

Das Dorf Hel war nur ein Zwischenziel unseres Tagesausfluges. Nachdem ich meiner Reisebegleitung einen Plüschseehund aus dem Laden der Seehundschutzstation der Insel als Andenken kaufte, zog es uns schon weiter zum Bahnhof von Hel.

Trotz der exponierten Lage fahren vor allem im Sommer mehrere Nachtzüge aus ganz Polen sowie Regionalzüge aus Danzig in beachtlichem Ausmass auf die kleine Halbinsel. Mit dem nächsten Regionalzug ging es zum Bahnhof Kuznica Hel, welcher zumindest auf der Landkarte am geeignetsten für einen Nachmittag am Meer aussah.

So stellt man sich einen Geheimtipp vor

Meine Vorstellungskraft liess mich hierbei auch nicht im Stich. Dass der Ort nirgendwo in einem Reisebericht steht, machte ihn einzigartig. Das zum offenen Meer gewandte Ufer von Hel bietet durchgehend Sandstrand und während in Danzig und auch auf dem Schiff nach Hel kein Quadratmeter frei von Touristen war, konnte man hier an der Ostsee einen Privatstand geniessen, wie man ihn sonst nur für teures Geld erwarten kann.

Gofry und Lody

Als wir dann doch wieder genug von der Einsamkeit hatten, konsultierten wir den Fahrplan und nahmen den nächsten Zug vom nur 500 Meter entfernten Bahnhof ins Ostseebad Sopot. Hier war es dann vorbei mit der Einsamkeit und anstelle von einem Naturspektakel bietet die Stadt eher das menschengemachte Stranderlebnis.

Sind solche Seebrücken eigentlich der gescheiterte Versuch zwei Küsten zu verbinden?

Neben der rund 500 Meter langen Seebrücke und einem Casino fallen vor allem die unzähligen Essensstände ins Auge. Hier kann man sich anders als auf Hel mit den polnischen Snackklassikern Gofry (Belgische Waffeln) oder Lody (Softeis, meist so hoch aufgetürmt, dass man sie nicht mehr vernünftig essen kann) eindecken.

Der doch ziemlich perfekte Strandtag endete in der Pieroggie Mandu im Danziger Stadtteil Oliwa. Einem Restaurant, dass sich ganz den traditionellen polnischen Teigtaschen verschrieben hat und es trotz der Wartezeit auf einen freien Tisch auf unsere ausgewählte Liste von Restaurants an Reisezielen geschafft hat.

Unkundige würden wohl nicht denken, dass Strandferien auch in Polen möglich sind. Es ist vielleicht auch gut so, wenn der Strand von Hel ein Geheimtipp bleibt. Für die, die das Glück haben, ihn zu kennen.

Mit diesen Problemen hatte ich auf der Heimfahrt zu kämpfen...