Die S-Bahn mit Schlafwagen

Eine Reise ohne Umsteigen mit drei verschiedenen Zügen

In den richtigen Wagen einsteigen ist besonders wichtig

Der Nightjet 467 ist einer der interessantesten Züge auf Schweizer Gleisen. Das liegt nicht nur daran, dass dies der Name von einem der wenigen, verbliebenen Nachtzüge auf Schweizer Schienen ist und auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken darf.

Die 11 Wagen, welche jeden Abend in Zürich, Sargans und Buchs SG ihre Türen öffnen, besitzen unterschiedliche Endbahnhöfe und bringen ihre Fahrgäste über Nacht in die drei Hauptstädte Wien, Budapest und Prag. Würden die Nachtstewards und Nachtstewardessen nicht an der Türe zum Hotel auf Schienen alle Fahrgäste persönlich in fremdländisch klingenden Sprachen (ungarisch, tschechisch und wienerisch) begrüssen und alle Tickets auf ihre Richtigkeit kontrollieren, würde es wohl häufig vorkommen, dass sich am die Nachtreisenden am nächsten Morgen nicht nur wegen der Müdigkeit ihre Augen reiben, sondern weil sie statt der Prager Burg die Budapester Fischerbastei aus dem Fenster erblicken, weil sie in den falschen Wagen gestiegen sind.

Am Zürichsee ist der trinationale Nachtzug noch vereint

Dass dies überhaupt möglich ist, ist dem fleissigen Salzburger und Linzer Bahnhofspersonal zu verdanken. In diesen Bahnhöfen werden mitten in der Nacht einige Wagen des Nightjets abgehängt und anderen Zügen mitgegeben, welche die Wagen dann übernehmen.

Und plötzlich ist man an der S-Bahn

Dank dem Rangieren werden mit einem einzigen Zug ab Zürich drei unterschiedliche Reiseziele erreicht, bei welchen sich ein ganzer Zug aus der Schweiz wohl nicht lohnen würde. So besteht beispielsweise der «Nachtzug» nach Prag aus genau einem Lůžkový vůz (Tschechisch für Schlafwagen) der tschechischen Bahn.

1 Wagen, 13 Abteile und 36 Betten - Mehr hat der Nachtzug Zürich-Prag nicht zu bieten

Bei meiner Reise im Jahr 2017 war diese Verbindung ein ganz spezielles Unikum. In Linz wurde der Wagen vom Zugteil nach Budapest abgetrennt und der morgendlichen S3 angehängt, welche ab dem Grenzbahnhof Summerau weiter als Schnellzug in Richtung Prag verkehrte. Während ich mich in meinem warmen Bett nochmal umdrehte, füllte sich der vordere Teil des Zuges an den Provinzbahnhöfen wie "Linz-Franckstrasse" oder "Schloss Haus "mit Pendlerinnen und Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit.

In den Morgenstunden geht es am beschaulichen Budweis vorbei in Richtung Prag

Jetzt habe ich mal Ferien

Es gibt wohl kein skurrileres Gefühl, das man auf einer Zugreise haben kann, als im Schlafwagen zu liegen, den Fensterladen etwas zu öffnen und auf dem Perron Leuten zuzusehen, wie sie verschlafen auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen sind. Unausweichlich sind dabei die Gedanken wie: «Das müsste ich mir heute nicht antun» und ich legte mich nochmals für ein paar Stunden hin.

Mein Tag begann erst hinter der tschechischen Grenze, als sich der Steward mit dem Frühstück und dem heissen Kaffee durch ein Klopfen an der Türe meldete. Mit Blick auf die Brauerei von Budweis und endlos scheinenden Feldern rollte der Zug gemächlich durch das verschlafene Südböhmen auf den Prager Hauptbahnhof zu.

Die Ankunft kurz vor 11 Uhr ist für einen Nachtzug zwar eher spät, aber optimal um wieder einmal auszuschlafen und hängt auch damit zusammen, dass der einzelne Schlafwagen nur mit dem ersten Zug von Linz nach Prag mitgeführt werden kann, um eine einigermassen kostendeckende Nachtzugverbindung ab Zürich zu ermöglichen. Und das war damals eben die S3, welche um halb 7 ab Linz fuhr. Leider wurde die S-Bahn irgendwann durch einen doch etwas schnelleren Eurocity ersetzt und das Kuriosum somit beseitigt. Die Ankunft in Prag ist aber weiterhin um 11 Uhr.

Eines der drei Ziele des Nachtzuges - Der wunderschöne Jugendstilbahnhof Praha hlavni nadrazi