Reise in die Türkei mit dem Optima-Express

Von Villach nach Edirne im etwas anderen Orient-Express

Für ein Trekking-Projekt im Osten der Türkei reisten wir als eine Gruppe von 14 jungen Erwachsenen nach Istanbul. Als Alternative zu einer Flugreise schauten wir uns nach geeigneten Zugverbindungen um und sind dabei auf den Optima-Express gestossen. Der Optima-Express ist eine Direktverbindung von Villach, eine Stadt im Süden von Österreich, bis nach Edirne, die Grenzstadt in der Türkei. 33 Stunden non-stop im Zug klingt lange, hat sich aber als beste Entscheidung für unsere Reise in die Türkei herausgestellt.

Die Reise startet beim Zugterminal in Villach, das sich ca. 20 min zu Fuss vom Hauptbahnhof Villach befindet. Am Terminal werden bei einem Check-In die Abteile zugeteilt. Wichtig ist, dass man sich, egal ob mit oder ohne Auto, genügend früh (laut Optima-Express 2h vor Abfahrt) am Terminal einfindet.

Bereits als der Zug pünktlich aus dem Terminal in Villach rollt, bemerken wir, dass nebst unserer Gruppe vor allem türkische Familien an Bord sind, die mit dem Auto in die Türkei reisen, um dort den Sommer bei ihren Verwandten zu verbringen. So kommen wir bereits auf dem Weg in die Türkei in den Genuss der herzlichen und offenen Art türkischer Menschen.

Der Optima-Express ist ein älterer Autozug. Die Abteile der Liegewagen sind einfach gehalten und eher eng, erfüllen den Zweck aber perfekt. In jedem Wagen gibt es zwei Toiletten und ein Lavabo, die auch dank der Mitreisenden erstaunlich sauber gehalten werden. Duschen sind nicht vorhanden. Aufgrund der nicht allzu hohen hygienischen Standards lohnt es sich doch, insbesondere in Coronazeiten, ein Fläschchen Desinfektionsmittel mitzubringen. Das Bahnpersonal ist sehr freundlich und hilfsbereit und versteht mehrheitlich Deutsch und/oder Englisch.

Einen (oder auch mehrere) Besuche wert ist auf jeden Fall der Speisewagen, wo man sich mit einem Frühstück oder drei, vier verschiedenen warmen Menüs verköstigen oder einfach bei einem Kaffee oder einem kühlen Bier die vorbeiziehende Landschaft geniessen kann. Die Preise sind sehr fair und die Bezahlung in Euro möglich. Auch wenn das Essen im Speisewagen wirklich schmeckt, empfehlen wir eigenes Essen und Getränke mitzunehmen, da die 33h doch eine lange Zeit sind und die Menüs sich nicht stark unterscheiden.

Ebenfalls ist ein Raucherabteil vorhanden, wo man mit anderen Zugreisenden eine Zigarette qualmen und ins Gespräch kommen kann.

Da der Optima-Express schon ein älteres Semester ist, kann es bei heissen Aussentemperaturen doch sehr warm im Zug werden. Viele von uns hatten Finken oder offene Schuhe dabei, die sich sehr bewährt haben. Bequeme Kleider mitzubringen, versteht sich von selbst. Die Reise als Gruppe anzutreten ist extrem empfehlenswert, da das Besuchen der anderen Abteile, die Spiele und Gespräche, das gemeinsame Essen etc. viel Abwechslung bringt und so die Zeit sehr schnell vorbeigeht.

Insgesamt passiert der Optima Express die sechs Länder Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien & die Türkei. (Einstieg ist aber nur in Villach und Edirne möglich). Folglich kamen wir auch an einigen Grenzkontrollen vorbei, welche auch mitten in der Nacht sein können. Die Weck-Taktik der Grenzer war dabei mehr oder weniger sanft;) An dieser Stelle nochmals ein kleiner Tipp: kontrolliert vor Abreise unbedingt eure Dokumente/ Ausweise auf deren Gültigkeit. Ein unfreiwilliges Aussteigen mitten in der Nacht an einer Grenze möchte niemand erleben. An der türkischen Grenze muss dann der komplette Zug für die persönliche Passkontrolle aussteigen. Da nur ein Schalter geöffnet ist und sich das Personal bei den Kontrollen eher Zeit lässt, dauern die Kontrollen eine Weile. Sich zu stressen lohnt sich nicht, sondern man holt sich lieber eine kühle Cola, spielt ein Spiel oder geniesst die Freiheit des Herumlaufens an der frischen Luft und wartet so die 2 Stunden ab, bis es weitergeht für die letzten Kilometer nach Edirne.

Dass der Optima-Express pünktlich ankommt, hat laut unseren Gesprächen noch kein Mitglied des Zugpersonals wirklich erlebt. Das Ausmass der Verspätung kann sehr unterschiedlich sein, aber bis zu 10h oder mehr betragen. Das ganze wiederum mit Humor zu nehmen und die Anschlussbuchungen mit genügend Pufferzeit zu planen ist die beste Lösung. Das Ende der Zugfahrt ist dann in Edirne. Von hier aus sind es noch ca 3h bis nach Istanbul. Da wir eine grössere Gruppe waren, hatten wir bereits einen privaten Bus organisiert. Dies hat sich sehr gelohnt und ist auch preiswert.

Alles in allem ist die Reise mit dem Optima-Express ein wunderbares Abenteuer, das uns allen in guter Erinnerung bleiben wird.

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